Lost Ark
Amazon steigt aus — was wird jetzt aus Lost Ark und Throne and Liberty?
Der westliche Publisher zieht sich zurück, die koreanischen Entwickler übernehmen selbst — und genau das ist das Problem

KURZFASSUNG
- Amazon Games zieht sich vollständig aus dem MMORPG-Publishing zurück — auch bei Lost Ark und Throne and Liberty
- Beide Titel gehören zu den grössten MMORPG-Starts der letzten Jahre, profitierten stark von Amazons Reichweite und der Twitch-Synergie
- Erste Folgen sind längst sichtbar: Lost Ark hat Sprachunterstützung gestrichen, bei Throne and Liberty fehlen die Tico Talks
- Aion 2 kommt Ende September/Anfang Oktober ohne westlichen Publisher — ein Testfall für NCSofts Umgang mit der globalen Community
Amazon Games hat sich nicht nur als Entwickler von MMORPGs verabschiedet, sondern gibt nun auch die Publisher-Rolle im Genre auf. Betroffen sind damit die beiden erfolgreichsten Projekte des Unternehmens in diesem Bereich: Lost Ark und Throne and Liberty. Beide Online-Rollenspiele stammen aus Korea und kamen mit Amazon als westlichem Partner in den Handel — künftig sollen sich die Entwickler selbst um das globale Publishing kümmern. Für Spielerinnen und Spieler hierzulande ist das mehr als eine Personalie im Kleingedruckten.
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2022
Lost Ark erschien mit Amazon Games im Westen
2024
Throne and Liberty folgte als zweiter grosser Korea-Import
Sept./Okt.
Aion 2 startet global — ohne westlichen Publisher
Warum Amazon für beide Spiele mehr war als ein Logo
Kritik an Amazon Games ist leicht zu formulieren, und MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz nimmt sie in seiner Analyse auch nicht zurück: Die Ambitionen seien riesig gewesen, die Ressourcen vorhanden — geblieben seien ein Trümmerhaufen und viele eingestellte Projekte. Zur zweiten Seite der Medaille gehört aber, dass ausgerechnet die beiden asiatischen Zukäufe zu den grössten MMORPG-Starts der vergangenen Jahre wurden. Ohne die Unterstützung des Publishers wären beide Titel deutlich weniger erfolgreich gewesen, so die Einschätzung.
Die Gründe liegen in Arbeit, die im Westen als selbstverständlich gilt: Lokalisierung in zahlreiche Sprachen, deutschsprachige Webseiten, Community-Support. Genau darauf verzichten Spielende regelmässig, wenn ein asiatisches Studio seinen Titel in Eigenregie global veröffentlicht. Dazu kam der Markenname Amazon und die enge Verzahnung mit Twitch — vor allem Lost Ark baute über die Begleitung vieler Streamer einen Hype auf, der in dieser Form ohne die Partnerschaft kaum denkbar gewesen wäre.
Die Grenzen der Publisher-Macht
Fehler leistete sich Amazon dennoch, insbesondere in der Kommunikation. Zeitweise fehlten vernünftige Patch-Notes zu Lost-Ark-Updates, es gab Ärger um eine zurückgehaltene Roadmap, die in Russland schon live war, und bei einer Gamescom-Präsentation zu New World 2021 kassierten Zuschauer auf Twitch einen Timeout, wenn sie «Lost Ark» in den Chat schrieben.
Ein Teil des Unmuts richtete sich aber gegen Eigenheiten, die westliche Publisher gar nicht entscheiden. Das Bezahlmodell lässt sich nicht einfach umwerfen, die Echtgeld-Währung nicht aus dem Auktionshaus entfernen. Was ein Publisher leisten kann: Feedback sammeln, weiterreichen, Empfehlungen aussprechen und Entscheidungen erklären. Genau diese Vermittlungsschicht fällt nun weg.
Der Abbau läuft längst
Sichtbar ist die Entwicklung seit Monaten. Lost Ark hat die Unterstützung diverser Sprachen eingestellt und veröffentlicht Neuigkeiten auf der westlichen Webseite schon länger nicht mehr auf Deutsch. Throne and Liberty glänzte lange mit den monatlichen Tico Talks, in denen Associate Franchise Lead Tico die westliche Community über Stand, Updates und langfristige Pläne informierte — seit seinem Wechsel von Amazon Games zu NCSoft erschien keine Folge mehr.
- Lost Ark: Sprachunterstützung reduziert, keine deutschen News mehr
- Throne and Liberty: Tico Talks als regelmässiges Community-Format eingestellt
- Beide Titel: Betreuung im Westen auf das Nötigste zurückgefahren
- Hoffnung auf Entschärfung von Bezahlmodell und Grind gilt als gering
Die Prognose in der Analyse fällt entsprechend nüchtern aus: Im besten Fall ändert sich kaum etwas, weil Amazon zuletzt ohnehin nur noch das Minimum leistete. Wahrscheinlicher sei, dass beide Spiele für die westliche MMO-Community zunehmend in der Bedeutungslosigkeit versinken. Eine Trendwende bräuchte grössere Investitionen — und dafür seien die Spielerzahlen im Westen zu klein.
Aion 2 wird zum Testfall
Wie gut ein koreanischer Konzern den globalen Markt allein bedienen kann, zeigt sich bald an Aion 2. NCSoft bringt das Prestige-MMORPG Ende September beziehungsweise Anfang Oktober ohne westlichen Publisher weltweit heraus. Das Unternehmen ist gross genug, um intern ein westliches Team für die globale Version aufzustellen. Ob sich die Community damit gehört und verstanden fühlt, ist die offene Frage — Konfliktpotenzial ist absehbar. Fest steht bereits, dass es für den globalen Release diverse Anpassungen gab, an im Westen kritisch beäugten Eigenheiten aber festgehalten wird.
Einordnung: Der Rückzug markiert weniger ein plötzliches Ende als den Abschluss eines schleichenden Prozesses. Wer Lost Ark oder Throne and Liberty aktiv spielt, sollte sich auf weniger Kommunikation, weniger Lokalisierung und Design-Entscheidungen einstellen, die primär den Heimatmarkt im Blick haben. Und Aion 2 wird zeigen, ob es einen westlichen Mittler überhaupt noch braucht — oder ob dessen Fehlen den Unterschied macht.
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WARUM DAS WICHTIG IST
Lost Ark und Throne and Liberty sind zwei der grössten MMORPG-Releases der vergangenen Jahre — und beide verlieren jetzt jene Instanz, die westliches Feedback überhaupt an die koreanischen Entwickler weitergetragen hat. Wer auf Verbesserungen bei Bezahlmodell oder Grind gehofft hat, muss diese Hoffnung neu bewerten. Für die ganze Branche stellt sich die Frage, ob asiatische Studios den westlichen Markt allein bedienen können.
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