Thimbleweed Park 2
Privatinvestor statt Publisher-Deal
Ron Gilbert finanziert das Adventure-Sequel mit dem Geld eines anonymen Fans statt über Kickstarter oder einen Publisher

KURZFASSUNG
- Thimbleweed Park 2 entsteht ohne Publisher und ohne Crowdfunding
- Ein anonymer, vermögender Fan des Originals finanziert die Entwicklung
- Budget: gut eine Million Dollar für rund zwei Jahre Arbeit
- Das Adventure soll Anfang 2028 erscheinen
Ron Gilbert entwickelt mit Thimbleweed Park 2 ein neues Point-and-Click-Adventure – und finanziert es weder über einen Publisher noch über Crowdfunding. Wie der Entwickler in einem Interview mit Bloomberg erklärt, übernimmt ein vermögender Privatmann ausserhalb der Spielebranche das komplette Budget. Der Geldgeber bleibt bislang anonym, das Spiel soll Anfang 2028 erscheinen.
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300.000+
verkaufte Exemplare des ersten Thimbleweed Park
1 Mio. $
Budget für rund zwei Jahre Entwicklung
Anfang 2028
angepeilter Release des Nachfolgers
Warum Gilbert keinen Publisher wollte
Gilbert arbeitet seit rund vier Jahrzehnten in der Spieleentwicklung, zunächst bei LucasArts an Maniac Mansion und Monkey Island, später mit eigenen Studios. Grundsätzlich schlechte Erfahrungen mit Publishern habe er nicht gemacht, sagt er – die Vertragsbedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren aber spürbar verschlechtert.
“Es stört mich nicht, wenn ein Publisher sein Geld wieder hereinholt. Das Problem ist, dass sie danach immer noch den Grossteil der Einnahmen wollen. Oder es gibt wirklich seltsame Klauseln, etwa dass man erst dann etwas verdient, wenn das Spiel ein grosser Hit wird. Das fand ich immer unfair.”
Interesse an einem Nachfolger habe es durchaus gegeben. In einem Blogeintrag im Januar hielt Gilbert fest, dass mehrere Publisher angefragt hätten – die angebotenen Konditionen habe er aber allesamt abgelehnt. Eine zweite Kickstarter-Kampagne kam für ihn ebenfalls nicht infrage.
Vom Kickstarter-Projekt zum Privatinvestor
2014 hatte Gilbert mit seinem Studio Terrible Toybox über 600.000 Dollar auf Kickstarter eingesammelt. Das daraus entstandene Thimbleweed Park erschien 2017, wurde von Kritik und Fangemeinde gut aufgenommen und hat sich laut Bericht bislang mehr als 300.000 Mal verkauft – ein Titel im Stil der frühen Neunziger, wie er selbst damals kaum noch produziert wurde.
Den Anstoss zum neuen Finanzierungsmodell gab ein Bekannter: Er kenne eine wohlhabende Person ausserhalb der Branche, die ein grosser Fan des Originals sei und einen Nachfolger mitfinanzieren wolle. Gilbert war skeptisch, weil ihm solche Angebote nicht zum ersten Mal begegnet waren.
“Das ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Ich habe gesagt: Okay, gut, gib mir seine E-Mail-Adresse.”
Ein Budget, das die Löhne deckt
Nach den ersten Gesprächen stellte sich heraus, dass es der Interessent ernst meinte. Gilbert erstellte daraufhin einen Plan mit einem nach eigener Aussage sehr realistischen Budget: gut eine Million Dollar für rund zwei Jahre Entwicklung – mehr als das Original gekostet hatte, das dem Bericht zufolge ebenfalls knapp über einer Million Dollar lag. Wichtig war ihm dabei ausdrücklich, dass die beteiligten Entwicklerinnen und Entwickler diesmal ordentlich bezahlt werden.
- Kein Publisher, kein Crowdfunding – die Finanzierung stammt vollständig von einer Privatperson
- Der Geldgeber holt sein Investment laut Gilbert schnell zurück, danach folgt eine Aufteilung der Einnahmen
- Thimbleweed Park 2 ist laut PC Gamer weder klassische Fortsetzung noch Prequel
“Dieser Deal ist deutlich fairer: Er ist sehr schnell wieder bei null, und danach gibt es eine vernünftige Aufteilung.”
Eine Nische mit langem Atem
Ob es 2026 überhaupt noch ein Publikum für klassische Point-and-Click-Adventures gibt, beantwortet Gilbert mit einem Blick auf die eigenen Verkaufszahlen. Das Genre profitiert davon, dass es kaum von aktueller Technik abhängt – entsprechend lange verkaufen sich gute Vertreter weiter, statt nach wenigen Wochen aus den Charts zu verschwinden.
“Wir sind fast zehn Jahre nach dem Release, und das Spiel verkauft sich immer noch. Das sagt mir, dass es ein Publikum für dieses Spiel und für Spiele dieser Art gibt.”
Einordnung: Gilberts Modell ist kein Rezept für die Branche – ein einzelner wohlhabender Fan lässt sich schlecht skalieren, und die Abhängigkeit von einer Privatperson bringt eigene Risiken mit sich. Interessant ist der Fall trotzdem, weil er zeigt, wie eng der Spielraum zwischen Publisher-Vertrag und Crowdfunding für mittelgrosse Nischenprojekte geworden ist. Für die Adventure-Fangemeinde zählt vorerst vor allem das Ergebnis: Thimbleweed Park 2 ist in Entwicklung und soll Anfang 2028 erscheinen.
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WARUM DAS WICHTIG IST
Point-and-Click-Adventures sind eine Nische, die klassische Publisher-Verträge kaum noch tragen. Gilberts Modell zeigt, dass es zwischen Kickstarter und Grossverlag einen dritten Weg geben kann – und dass langlebige Katalogtitel für kleine Studios zum wichtigsten Argument werden.
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