SteelSeries
SteelSeries' erster Xbox-Controller kann fast alles - nur nicht billig
Der Aeon Pro wechselt ohne neues Pairing zwischen PC und Xbox, bringt OLED-Display und Hot-Swap-Akkus - und kostet 259,99 Dollar

- SteelSeries steigt mit dem Aeon Pro erstmals in den Xbox-Controller-Markt ein, der Versand startet laut The Verge sofort
- Preis: 259,99 US-Dollar, 229,99 Pfund beziehungsweise 260 Euro - laut GamesRadar+ der teuerste Controller, den deren Hardware-Redaktion bislang in der Hand hatte
- Features: OLED-Display mit Bordmenü, vier Microswitch-Paddles, Hall-Effekt-Sticks und -Trigger, zwei Wechselakkus und ein Dock mit zwei USB-C-Anschlüssen
- Kritikpunkte der Hands-ons: keine TMR-Sticks und nur 1.000 Hz Polling am PC, während günstigere Konkurrenten 8K bieten
SteelSeries ist Gamern vor allem für Headsets und Mäuse ein Begriff - Controller gehörten bislang nicht dazu. Das ändert sich mit dem Aeon Pro, einem offiziell für Xbox und PC lizenzierten Gamepad, das laut The Verge ab sofort ausgeliefert wird. Der Einstieg fällt allerdings nicht zaghaft aus: Statt sich mit einem moderat bepreisten Modell Vertrauen zu erarbeiten, startet der Hersteller direkt an der Preisspitze.
259,99 $
Verkaufspreis, in Europa rund 260 Euro beziehungsweise 229,99 Pfund
2 Akkus
liegen im Lieferumfang bei und lassen sich im laufenden Betrieb tauschen
1.000 Hz
maximale Abtastrate am PC - Konkurrenzmodelle werben bereits mit 8K
Zwei USB-Ports, ein Dock: das eigentliche Verkaufsargument
Das Alleinstellungsmerkmal steckt nicht im Controller, sondern in der Ladestation. Sie besitzt zwei separate USB-C-Anschlüsse: einer wandert an den PC, einer an die Xbox. Das Dock übernimmt damit die Rolle des Funkempfängers - vergleichbar mit dem Puck des Steam Controllers - und erspart das Umstöpseln eines Dongles zwischen Konsole und Rechner. SteelSeries selbst bewirbt den Aeon Pro entsprechend offensiv.
Weltweit erster Dual-Dock-Controller für PC und Xbox.
Wie gross die Zielgruppe für diese Funktion ist, bezweifelt PC Gamer allerdings offen: Wer beide Plattformen parallel nutzt, ist eine überschaubare Gruppe - und ein manuelles Neuverbinden sei ohnehin kein grosser Aufwand. Für Haushalte, in denen PC und Xbox nebeneinanderstehen, dürfte der nahtlose Wechsel dagegen der Hauptgrund für einen Kauf sein.
OLED-Display, Magnet-Sticks, Wechselakkus
Ansonsten wirkt die Ausstattungsliste, als habe SteelSeries jede Idee der Konkurrenz mitgenommen. Auf dem Controller sitzt ein OLED-Display samt Bordmenü mit vorgefertigten Tastenprofilen für verschiedene Genres; feinere Einstellungen wie Stick-Deadzones laufen über die Software SteelSeries GG. Die vier Rückseiten-Paddles sind längere Metallhebel mit spürbarem Microswitch-Klick - anders konstruiert als die magnetischen Lösungen von DualSense Edge und Elite Series 2, im Gefühl laut GamesRadar+ aber vergleichbar.
- OLED-Display mit Bordmenü und vorinstallierten Genre-Profilen
- Vier Microswitch-Paddles auf der Rückseite, Microswitches auch bei weiteren Tasten
- Hall-Effekt-Sticks und -Trigger, Trigger auf Instant-Click-Auslösung umschaltbar
- Zwei Wechselakkus, Hot-Swap im Betrieb möglich
- Ladestation lädt Controller und Ersatzakku und hält magnetisch haftende Stick-Aufsätze bereit
- Farbvarianten in Schwarz sowie in Weiss-Grau
Das Wechselakku-Konzept übernimmt SteelSeries aus dem eigenen Headset- und Maus-Portfolio - in der aktuellen Controller-Landschaft ist es eine Seltenheit. In der Theorie geht dem Pad damit nie der Saft aus, weil immer eine Zelle in der Station lädt. Auch das Dock selbst kommt in den Hands-ons gut weg: Es beherbergt Ersatzakku und Stick-Aufsätze, die magnetisch statt über fummelige Plastikschlitze halten.
Wo der Premium-Anspruch bröckelt
Zwei Punkte passen aus Sicht beider Redaktionen nicht zum Preisschild. Erstens setzt SteelSeries auf Hall-Effekt-Sticks statt auf die neueren TMR-Sensoren, die in dieser Preisklasse mittlerweile erwartbar wären. Zweitens erreicht der Aeon Pro am PC nur 1.000 Hz Abtastrate, während Konkurrenzmodelle bereits mit 8K werben. PC Gamer bemängelt zudem leicht schwammige ABXY-Tasten mit spürbarem Vorweg, lobt aber Verarbeitung, Griffe und Haptik insgesamt als hochwertig.
Die Konkurrenz ist deutlich günstiger
Der Preisvergleich fällt hart aus: Scuf Omega und Razer Raiju V3 Pro liegen bei rund 220 Dollar, das Razer Wolverine V3 Pro bei 200 Dollar - und das GameSir G7 Pro 8K kostet mit 90 Dollar rund ein Drittel. Schon dem Scuf Omega attestierte PC Gamer, sich in diesem Umfeld schwer rechtfertigen zu lassen. Der Aeon Pro liegt noch einmal 40 Dollar darüber.
Es ist mit Abstand der teuerste Controller, der mir in meinen vier Jahren als professioneller Tester begegnet ist.
Einordnung
Der Aeon Pro ist technisch kein Fehlstart - beide ersten Anspielrunden beschreiben ein wertig verarbeitetes, funktionsreiches Gamepad. Sein Problem ist die Positionierung: Ein Markenneuling verlangt mehr als jeder etablierte Anbieter und lässt ausgerechnet die beiden Merkmale weg, mit denen die Konkurrenz derzeit Werbung macht. Ob das Dual-Dock diesen Aufschlag trägt, müssen ausführliche Tests klären - GamesRadar+ hat einen solchen bereits angekündigt.
Premium-Controller sind längst ein eigener Markt - und der Aeon Pro zieht die Preisobergrenze deutlich nach oben. Wer zwischen PC und Xbox pendelt, bekommt hier erstmals einen Umschalter ohne Pairing-Gefummel, zahlt dafür aber fast das Dreifache eines gut bewerteten Mittelklasse-Pads. Die Frage, wie viel Komfort ein Gamepad wert sein darf, wird damit neu gestellt.
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