StarCraft
Nexon will StarCraft kaufen - und Xbox hätte einen Grund, ja zu sagen
Ein koreanischer Zeitungsbericht spricht von einem fast fertigen Vertrag über die komplette Marke - bestätigt ist davon bislang nichts
Gerücht / Leak: unbestätigte Informationen - wir kennzeichnen, was gesichert ist.

- Die koreanische Tageszeitung Chosun berichtet, Nexon wolle Blizzard die komplette StarCraft-Marke abkaufen - eine Bestätigung gibt es nicht.
- Eine anonyme Quelle spricht von einem Vertrag kurz vor dem Abschluss, inklusive Entwicklungsrechten für eine Fortsetzung.
- Nexon soll bereits an einem Shooter im StarCraft-Universum arbeiten, der in wenigen Wochen auf der BlizzCon 2026 gezeigt werden könnte.
- Entscheiden müsste Microsoft: Xbox-Chefin Asha Sharma konzentriert die Sparte auf die grössten Marken - StarCraft gehört nicht dazu.
Es ist eine dieser Meldungen, die man zweimal liest: Der koreanische Publisher Nexon soll versuchen, Blizzard die komplette Marke StarCraft abzukaufen. Nicht lizenzieren, sondern kaufen. Berichtet hat das die koreanische Tageszeitung Chosun, die auflagenstärkste des Landes. Eine offizielle Bestätigung von Blizzard, Nexon oder Microsoft liegt nicht vor - der gesamte Vorgang beruht bislang auf einer anonymen Quelle. Wccftech, das den Bericht aufgegriffen hat, stuft das Gerücht in der eigenen Bewertungsskala als «wahrscheinlich» mit 75 Prozent ein.
16 Jahre
sind seit dem Release von StarCraft II: Wings of Liberty vergangen
~70 %
aller je ausgeschütteten StarCraft-II-Turnierpreisgelder gingen an koreanische Spieler
75 %
Wahrscheinlichkeit, die Wccftech dem Gerücht in seiner Rumor-Bewertung gibt
Was in dem Bericht konkret steht
Chosun beruft sich auf ein «ranghohes Branchenmitglied». Dessen Aussage ist der Kern der ganzen Geschichte - und sie geht deutlich weiter als eine blosse Lizenzvereinbarung für ein einzelnes Spiel.
Ein Vertrag zwischen Nexon und Blizzard über die StarCraft-IP steht kurz vor dem Abschluss. Soweit ich es verstehe, wird Nexon nach Abschluss dieses Vertrags die Entwicklungsrechte für eine Fortsetzung des bestehenden StarCraft halten.
Wichtig ist die Einschränkung: Die Formulierung beschreibt einen Stand kurz vor Vertragsabschluss, nicht einen unterschriebenen Deal. Wie weit «Fortsetzung» reicht - ein direktes StarCraft III oder ein Spin-off in bekannter Kulisse -, geht aus dem Bericht nicht hervor. Und ob am Ende tatsächlich die Marke selbst den Besitzer wechselt oder nur weitreichende Rechte vergeben werden, bleibt ebenfalls offen.
Der Shooter, der schon länger durch die Gerüchteküche geistert
Ganz aus dem Nichts kommt die Sache nicht. Inoffiziell kursiert seit einiger Zeit, dass Nexon an einem Shooter im StarCraft-Universum arbeitet, der in wenigen Wochen auf der BlizzCon 2026 vorgestellt werden soll. Bisher gingen Beobachter davon aus, dass Blizzard die Marke dafür schlicht auslizenziert - ein Gastauftritt für einen besonderen Anlass, mehr nicht. Der Chosun-Bericht dreht diese Annahme um: Aus dem Lizenzprojekt würde dann der Einstieg in eine komplette Übernahme.
Sollte das stimmen, wäre die BlizzCon in wenigen Wochen der logische Zeitpunkt für eine Ankündigung. Sollte es nicht stimmen, dürfte spätestens dort deutlich werden, dass es beim einzelnen Spiel bleibt. Der Termin liefert also eine ungewöhnlich harte Frist für ein Gerücht dieser Grössenordnung.
Warum Xbox überhaupt verkaufen könnte
Blizzard entscheidet das nicht allein. Seit der Übernahme von Activision Blizzard liegt die Entscheidung bei Microsoft respektive bei Xbox. Und dort hat sich die Lage verschoben. Die neue Chief Executive Officer Asha Sharma hat unmissverständlich formuliert, dass die Sparte auf Weisung von Microsoft-CEO Satya Nadella in die Profitabilität zurückkehren muss. Teil dieser Strategie ist ein Fokus auf die grössten und profitabelsten Marken.
- The Elder Scrolls und Fallout als Zugpferde von Bethesda
- Halo und Gears of War als hauseigene Shooter-Säulen
- Warcraft als Blizzards nach wie vor tragende Marke
- StarCraft - und genau hier endet die Liste
StarCraft erfüllt die Kriterien für diesen privilegierten Kreis schlicht nicht. Seit Wings of Liberty sind sechzehn Jahre vergangen, und das Echtzeitstrategie-Genre ist deutlich nischiger als das, worauf Xbox derzeit zielt. Aus Konzernsicht liesse sich also argumentieren: Wenn ohnehin nichts mit der Marke passiert, warum sie nicht an eine interessierte Partei abgeben? Pikant daran ist, dass Blizzard laut jüngsten Berichten wirtschaftlich gut dasteht und keineswegs dringend Geld braucht - ein Verkauf wäre keine Notlösung, sondern eine strategische Entscheidung.
Warum ausgerechnet Korea nicht loslässt
Dass der Vorstoss aus Südkorea kommt, ist alles andere als Zufall. StarCraft ist dort mehr als ein Spiel. Der Originaltitel von 1998 wurde zum «Nationalspiel», er brachte im Fernsehen übertragene Ligen wie die Ongamenet Starleague hervor, die dreizehn Jahre lang lief und Profispieler zu landesweiten Berühmtheiten machte.
StarCraft II hat dieses Erbe fortgeschrieben. Die Global StarCraft II League läuft seit 2010 ununterbrochen in Korea und gilt als prestigeträchtigstes Einzelturnier der Szene. Rund 70 Prozent aller jemals im Profibereich ausgeschütteten Preisgelder gingen an koreanische Spieler. Ein koreanischer Publisher, der diese Marke besitzen will, kauft damit nicht nur eine Lizenz, sondern ein Stück nationale Popkultur.
Was das für Spielerinnen und Spieler bedeuten würde
Die naheliegende Reaktion ist Skepsis - der Verkauf einer Kultmarke an einen anderen Konzern klingt selten nach guten Nachrichten. Es gibt aber auch die andere Lesart: Ein Eigentümer, der etwas mit StarCraft vorhat, wäre für Fans, die seit Jahren neue Titel fordern, ein Fortschritt gegenüber dem aktuellen Zustand des Stillstands. Nexon hat zuletzt öffentlich betont, Spiele künftig mit kleineren Teams entwickeln zu wollen und KI als Werkzeug zu verstehen, das kreative Köpfe nicht ersetzt, sondern entlastet - eine Haltung, die je nach Standpunkt Effizienzversprechen oder Warnsignal ist.
Offen bliebe zudem, was mit dem bestehenden Ökosystem geschieht: StarCraft: Remastered und StarCraft II laufen über Battle.net, die kompetitive Szene hängt an dieser Infrastruktur. Zu einem möglichen Übergang steht im Bericht nichts.
Einordnung
Der Ausgangspunkt ist eine einzelne anonyme Quelle in einer allerdings sehr grossen Zeitung - das ist mehr als ein Forenposting, aber deutlich weniger als eine Bestätigung. Plausibel wird die Geschichte vor allem durch das Umfeld: ein bereits gemunkeltes Nexon-Projekt im StarCraft-Universum, eine BlizzCon in wenigen Wochen und eine Xbox-Führung, die offen über Fokussierung auf wenige Grossmarken spricht. Das ergibt ein stimmiges Bild, ersetzt aber keine Fakten. Bis Microsoft, Blizzard oder Nexon sich äussern, gilt: unbestätigtes Gerücht - mit einem Ablaufdatum, das die BlizzCon 2026 setzt.
StarCraft liegt seit sechzehn Jahren praktisch brach, und ein Verkauf wäre die erste echte Bewegung seit Wings of Liberty. Für Fans steht damit die Frage im Raum, ob die Marke lieber bei einem untätigen Eigentümer bleibt oder bei einem Publisher, der sie tatsächlich weiterentwickeln will - mit allen Risiken für Ton und Geschäftsmodell der Serie.
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