Persona 4 Revival
«Dann müssten wir alle Jungs machen» - Yosuke bleibt ohne Romanze
Produzent Kazuhisa Wada erklärt, warum die im Original gestrichene Beziehung mit Yosuke auch im Remake nicht zurückkehrt

- Die im Original von Persona 4 gestrichene Romanze mit Yosuke Hanamura kehrt im Remake nicht zurück.
- Produzent Kazuhisa Wada sagt, man hätte dann auch alle anderen männlichen Charaktere ergänzen müssen - zu viel Aufwand für den Zeitplan.
- Andere Yosuke-Szenen werden dagegen überarbeitet, darunter ein berüchtigter homophober Kommentar Richtung Kanji Tatsumi.
- Ähnlich lief es bei Persona 3 Reload, wo die weibliche Protagonistin Kotone fehlte - Fans lieferten sie per Mod nach.
Atlus hat darüber nachgedacht - und sich dagegen entschieden: Die im Original von Persona 4 gestrichene Romanze zwischen dem Protagonisten und seinem besten Freund Yosuke Hanamura kehrt im Remake Persona 4 Revival nicht zurück. Produzent Kazuhisa Wada bestätigte das im Gespräch mit GamesRadar+ auf der Gamescom 2026 und nannte auch den Grund: Wenn Yosuke eine Romanzoption bekäme, müssten konsequenterweise auch alle anderen männlichen Party-Mitglieder eine erhalten - und dafür fehlten schlicht Zeit und Ressourcen.
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20 Jahre
liegt das PS2-Original inzwischen fast zurück
2024
argumentierte Wada bei Persona 3 Reload schon einmal ähnlich
Ein Wunsch, den Atlus durchaus registriert hat
Die Yosuke-Romanze ist kein Fan-Hirngespinst, sondern ein dokumentierter Rest im Fundament des Spiels: In den Dateien des Originals fanden Spielerinnen und Spieler Hinweise auf eine Beziehungsvariante, die nie fertiggestellt wurde. Auf dem PC lässt sich dieser Strang über die verbliebenen Dateien in Persona 4 Golden per Mod sogar wieder aktivieren. Entsprechend laut war die Hoffnung, dass ausgerechnet ein Remake diesen Faden endlich offiziell aufnimmt. Wada macht klar, dass diese Debatte in Tokio angekommen ist.
Mir war bewusst, dass online einige über Yosuke gesprochen und sich das gewünscht haben. Aber wir dachten uns: Wenn wir Yosuke machen, müssten wir irgendwie auch alle anderen männlichen Charaktere machen. Und wenn wir das tun, ist das eine Menge Arbeit. Wir haben also an unsere Zeit und unseren Zeitplan gedacht. Ich weiss nicht, ob wir das wirklich stemmen könnten - also haben wir Yosuke ziehen lassen.
Geändert wird trotzdem - nur an anderer Stelle
Ausgerechnet Yosuke ist jener Charakter, den Atlus im Remake am deutlichsten anfasst. Mehrere seiner Szenen und Dialogzeilen wurden überarbeitet, damit sie laut Wada «ein bisschen besser zu der Welt passen, in der wir heute leben». Das prominenteste Beispiel ist ein berüchtigter homophober Kommentar in Richtung Kanji Tatsumi, dessen eigener Handlungsbogen sich im Original ausdrücklich mit Fragen von Identität und gesellschaftlichem Druck beschäftigt. Yosukes verinnerlichte Ablehnung war im Originalspiel genau der Ausgangspunkt, von dem aus sich eine Beziehung über den Spielverlauf hätte entwickeln können - dieser dramaturgische Unterbau bleibt nun ungenutzt.
Die Serie hat in den vergangenen Jahren mehrfach nachjustiert. Persona 3 Reload strich eine als transphob kritisierte Szene und stellte einzelne queere Handlungsstränge deutlicher heraus. Persona 4 Revival setzt diese Linie fort - allerdings im Modus der Korrektur, nicht der Erweiterung.
Das Argument kennen Persona-Fans bereits
Die Begründung über Aufwand und Zeitplan erinnert an einen früheren Streitpunkt. Persona 3 Reload verzichtete auf Kotone, die weibliche Protagonistin aus Persona 3 Portable. Wada entschuldigte sich dafür mehrfach und verwies 2024 auf die Kosten. Auch dort sprang am Ende die Community ein: Fans bauten Kotone eigenhändig ins Remake ein und arbeiteten dafür sogar sämtliche animierten Zwischensequenzen neu auf.
- Gestrichene Yosuke-Romanze: im Remake bewusst nicht umgesetzt
- Begründung: Gleichbehandlung aller männlichen Charaktere wäre zu aufwendig
- Umgesetzt wird stattdessen: überarbeitete Dialoge, darunter der homophobe Kommentar zu Kanji
- Präzedenzfall Kotone in Persona 3 Reload: gestrichen aus Kostengründen, per Mod nachgeliefert
Einordnung
Wadas Alles-oder-nichts-Logik ist nachvollziehbar, aber nicht zwingend: Eine einzelne, in den Originaldateien bereits angelegte Beziehung hätte kein komplettes Romanzsystem für die gesamte Männerriege erfordert - dass eine Teillösung Kritik provoziert hätte, ist allerdings ebenso wahrscheinlich. Für Persona 4 Revival heisst das: Das Remake glättet die Kanten seiner Vorlage, ohne ihre offenen Fragen neu zu beantworten. Wer auf offizielle gleichgeschlechtliche Romanzoptionen hofft, muss die Erwartung wohl auf einen künftigen Serienteil verschieben. Bis dahin bleibt der Weg, den Persona-Fans schon zweimal gegangen sind - über die Mod-Szene auf dem PC.
Atlus vermarktet Persona 4 Revival ausdrücklich als behutsam modernisierte Fassung eines fast 20 Jahre alten Klassikers. Wie weit diese Modernisierung reicht - und wo sie an Budget und Zeitplan endet - entscheidet darüber, wie sich das Remake für ein Publikum von 2026 anfühlt. Für queere Spielerinnen und Spieler bleibt damit erneut nur der Umweg über Mods.
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