Marvel's Wolverine
Wolverine spaltet die Kritik - Logans Klauen werden stumpf
Zwischen «grossartiges Videospiel» und «grösste Enttäuschung der PS5-Ära» liegen bei Insomniacs Logan nur wenige Wertungen

- Marvel's Wolverine erscheint am 15. September 2026 exklusiv für PS5, entwickelt von Insomniac Games.
- Die Tests loben Logans Figurenzeichnung, die Sprecherleistungen und die extrem brutalen Finisher.
- Kritik gibt es für ein zu simples Kampfsystem ohne echte Progression sowie für schlauchartige Arena-Level.
- Die Urteile reichen von «grossartiges Videospiel» (Push Square) bis «grösste Enttäuschung der PS5-Ära» (Polygon).
Am 15. September 2026 erscheint Marvel's Wolverine exklusiv für die PS5 - und die Tests, die seit dem 10. September online sind, zeichnen ein ungewöhnlich zerrissenes Bild. Während Push Square Insomniacs Logan schlicht als «grossartiges Videospiel» abfeiert, überschreibt Polygon seinen Test mit dem Satz, dies sei die grösste Enttäuschung der PS5-Ära. Zwischen diesen Polen liegt eine Mehrheit von Wertungen, die sich auf eine gemeinsame Diagnose einigt: Die Figur trägt das Spiel weiter als das Spiel selbst.
15. Sept.
Release exklusiv für PS5
15 Std.
Länge der Missionskette laut IGN
30+
Anzüge und Klauen-Varianten zum Kombinieren
Ein Logan ohne X-Men
Die Handlung setzt einige Jahrzehnte nach der ersten Begegnung zwischen James «Logan» Howlett und Nathaniel Essex ein. Logan ist längst ein erfahrener Held und tragendes Mitglied der Einsatztruppe Team X, als er auf den Wissenschaftler Bolivar Trask angesetzt wird - Anlass sind Berichte über verschwundene Mutanten. Von dort führt die Reise um den Globus, an neue Schauplätze und an alte Orte, die verschüttete Erinnerungen aufreissen. Charles Xaviers Team gibt es in diesem Universum ausdrücklich nicht, wie Insomniac vorab klargestellt hat. Die Themen bleiben laut GamesRadar dennoch dieselben: Mutanten werden gefürchtet und ausgebeutet.
Genau hier verortet die Kritik die Stärke des Spiels. IGN-Autor Simon Cardy nennt Liam McIntyres Logan eine seiner liebsten Interpretationen der Figur - ein sperriges Werkzeug von einem Körper mit überraschender Tiefe, das sich in sozialen Räumen mit gekrümmtem Rücken bewegt, als drücke die Vergangenheit körperlich auf ihn. Krizia Bajos als Jean Grey wird als emotionaler Anker hervorgehoben, ebenso die leisen Szenen: eine Bar in Madripoor mit Mystique, ein Treffen in einer verschneiten Hütte, die Spannung zwischen Logan und Victor «Sabretooth» Creed. Der Haken: Ausserhalb von Logan und Jean bekommt kaum eine Figur einen eigenen Bogen. GamesRadar geht weiter und nennt die Erzählung unsauber - die Geschichte deute nur vage darauf hin, warum das alles überhaupt passiere.
Die Klauen: erst berauschend, dann Routine
Das Kampfsystem ist unmittelbar, blutig und laut IGN aussergewöhnlich reaktionsschnell: Kombos über Viereck und Dreieck, Ausweichen, Parieren, Spezialattacken, dazu ein Sprungangriff, der Logan zum nächsten Gegner reisst. Der Heilfaktor regeneriert im Kampf, was die Suche nach Medipacks erspart. Und die Finisher gehen weit über alles hinaus, was Insomniac mit Spider-Man zeigen durfte - abgetrennte Gliedmassen, Stiche durch den Kiefer, Tandem-Kills mit Jean oder Sabretooth. Golem.de lobt die wuchtigen Kämpfe ausdrücklich, allerdings mit dem Zusatz: in überschaubaren Dosen.
Denn die Begeisterung hält nicht über die volle Distanz. IGN war nach der Hälfte der rund 15 Stunden satt: Freischaltbare Fertigkeiten gibt es zwar, aber nur eine Handvoll, und sie liegen früh auf dem Tisch.
Das Kampfsystem hätte ein stärkeres Gefühl von Progression gebraucht, um dieses Empfinden über ein Spiel dieser Länge zu tragen.
GamesRadar zerlegt das dahinterliegende Rage-System als gleichzeitig zu kompliziert und zu belanglos: Stufe eins erlaubt eine regenerative Wiederbelebung, Stufe zwei mehr Schaden bei Kombo-Abschlüssen, Stufe drei generell mehr Schaden und Sofort-Kills gegen angeschlagene, taumelnde oder eingeschüchterte Gegner. Weil die entscheidenden Bausteine hinter freischaltbaren «Adaptations» stecken, fühle sich das Spiel lange wie eine Testversion seiner selbst an. Besonders bitter: Das Parieren mehrerer gleichzeitiger Angriffe hängt an einer sehr späten Fertigkeit. Vorher wehrt man einen Schlag ab und kassiert den nächsten - danach werde der Kampf endlich zum Tanz. Der Rest sei damit da, wo das Spiel hätte anfangen sollen.
Tokio zeigt, was möglich gewesen wäre
Ein Kapitel ragt in mehreren Tests heraus: ein halboffener Tokio-Bezirk in der Spielmitte. GamesRadar beschreibt ihn als lebendig, verschachtelt und einfach schön zu bewohnen - Gassen, Neonschilder, Gespräche zum Belauschen, Fährten, die Logan buchstäblich erschnüffelt, und ein spürbarer Fortschrittsbogen. Der Rest sei dagegen dünn: kantige Korridore, die in Arenen münden, unterbrochen von Zwischensequenzen. Wolverine ist strikt kapitelbasiert und linear, eher Uncharted als Spider-Man, aber ohne dessen Feinschliff.
IGN kommt zum gleichen Befund: flache Kampfflächen mit Nahkampf-Fussvolk und ein paar erhöhten Plattformen für Schützen. Neue Gegnertypen - Trasks Sci-Fi-Truppen, die Ninja der Hand, Scharfschützen, cybernetisch aufgerüstete Schläger - werden stetig nachgeschoben, doch jeder Kampf prüfe letztlich dieselben Reflexe. Wccftech sieht in der Abkehr vom offenen Spider-Man-Design immerhin ein Konzept, das «grösstenteils funktioniert»; GameSpot stellt dagegen die grundsätzliche Frage, warum ausgerechnet Insomniac dieses Spiel gemacht hat.
Zwei Lager, ein Spiel
Die Spannbreite der Urteile ist beachtlich. Push Square und Destructoid stehen klar auf der Habenseite, VGC nennt das Spiel einen visuellen Blickfang, dessen Gameplay dem starken Erzählstrang nicht gewachsen sei. Kotaku beschreibt Insomniacs Ansatz als erfrischend geradlinig - «meistens». Und der deutschsprachige Raum zieht ähnlich: Eurogamer.de fasst zusammen, das Spiel wolle ein grosser Actionfilm sein, «aber spielerisch ist da einfach zu wenig», Bosse inklusive. GamesRadar bringt die Mitte-Position auf den Punkt: ein überraschend durchschnittliches Spiel, getragen von dem Gefühl, dass alles deutlich besser hätte sein können.
- Konsens der Tests: starke Figurenzeichnung, herausragende Animationen, extrem brutale Finisher
- Konsens der Kritik: zu wenig Progression im Kampf, austauschbare Arena-Level, ungleichmässiger Erzählrhythmus
- Umstritten: ob die 15 Stunden trotz Ermüdung unterhaltsam bleiben - hier gehen Push Square und Polygon diametral auseinander
Einordnung
Für Sony steht mehr auf dem Spiel als eine Wertung: Laut Wccftech ruhen auf Wolverine die grössten Hoffnungen unter den First-Party-Releases des Jahres, nachdem Bungies Marathon und Housemarques Saros unterschiedlich, aber deutlich unter den Erwartungen blieben - danach folgt 2026 nur noch die Complete Edition von Ghost of Yōtei. Ein solides Actionspiel mit einem sehr gut geschriebenen Logan ist damit gesichert. Ein neuer Referenzpunkt für Marvel-Spiele, wie es Spider-Man 2018 war, ist es nach dieser Testlage nicht.
Marvel's Wolverine ist Sonys grösste First-Party-Hoffnung des Jahres, nachdem Marathon und Saros laut Wccftech enttäuschten. Wer die 15 Stunden Kampagne zum Vollpreis kaufen will, sollte wissen, dass sich die Fachpresse ausgerechnet beim Kampfsystem uneinig ist - also bei dem, was den Grossteil der Spielzeit ausmacht.
COMMUNITY-UMFRAGE
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DAS SAGT DIE FACHPRESSE
Für den Sale vormerkenDie Kritik ist sich in der Substanz einiger als in der Wertung: Gelobt werden Figurenzeichnung, Animationen und die Brutalität, kritisiert werden ein zu simples Kampfsystem ohne echte Entwicklung und uninteressante Levelarchitektur. Die Urteile reichen von «grossartiges Videospiel» bei Push Square bis zur «grössten Enttäuschung der PS5-Ära» bei Polygon, wobei die Mehrheit der Tests im Bereich «okay bis solide» landet.
STÄRKEN
- +Sehr gut geschriebener und gespielter Logan (Liam McIntyre) sowie Jean Grey (Krizia Bajos)
- +Herausragende Animationen und drastisch inszenierte Finisher
- +Der halboffene Tokio-Abschnitt mit Ermittlungsarbeit und dichter Atmosphäre
- +Direktes, reaktionsschnelles Grundkampfsystem mit lore-gerechtem Heilfaktor
SCHWÄCHEN
- -Kaum Progression im Kampf, Schlüsselfähigkeiten wie das Mehrfach-Parieren kommen zu spät
- -Austauschbare Schlauch- und Arena-Level ausserhalb von Tokio
- -Erzählung stockt zwischen Zwischensequenzen, Nebenfiguren bleiben blass
FÜR WEN?
Für Marvel- und Wolverine-Fans, die eine erzählerisch fokussierte, sehr brutale und strikt lineare Actionkampagne wollen und mit wenig spielmechanischer Tiefe leben können.
KAUFEMPFEHLUNG
Wer Logan liebt, greift zum Release zu - alle anderen fahren nach dieser Testlage mit einem Preisnachlass besser.
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