Games-Markt
Games-Markt schrumpft — schuld sind die Speicherpreise
Der Verband Game legt vor der Gamescom Halbjahreszahlen vor: Services legen zu, Hardware verliert deutlich

KURZFASSUNG
- Der deutsche Games-Markt kam im ersten Halbjahr 2026 auf 4,2 Milliarden Euro Umsatz, drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
- Hardware brach um acht Prozent auf 1,311 Milliarden Euro ein — laut Verband wegen stark gestiegener Preise für Speicher und Festplatten.
- Online-Gaming-Services legten um drei Prozent auf 556 Millionen Euro zu, Spiele blieben mit 2,337 Milliarden Euro nahezu stabil.
- Hochgerechnet 17 Millionen Menschen in Deutschland spielen Indie-Titel; die Erhebungsmethoden wurden rückwirkend angepasst.
Wenige Tage vor dem Start der Gamescom hat der Branchenverband Game seine Halbjahresbilanz für den deutschen Spielemarkt vorgelegt. Zwischen Januar und Juni 2026 setzte die Branche mit Spielen, Online-Gaming-Services und Gaming-Hardware zusammen 4,2 Milliarden Euro um — drei Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Auffällig ist dabei weniger der Rückgang selbst als seine Herkunft: Er stammt fast vollständig aus einem einzigen Segment, und das hat nichts mit den Spielen zu tun.
4,2 Mrd. €
Gesamtumsatz des deutschen Games-Markts im ersten Halbjahr 2026
–8 %
Rückgang bei Konsolen, Gaming-PCs und Zubehör
17 Mio.
Menschen in Deutschland spielen laut Hochrechnung Indie-Titel
Hardware bricht ein — und der Grund liegt im Bauteilregal
Mit Konsolen, Gaming-PCs und Zubehör kam die Branche auf rund 1,3 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 1,43 Milliarden Euro, jetzt sind es 1,311 Milliarden — ein Minus von acht Prozent. Als Ursache nennt der Verband die stark gestiegenen Preise für Speicher und Festplatten. Die höheren Kosten führen laut Game zu einer spürbaren Kaufzurückhaltung.
Für die Leserschaft ist das die konkreteste Zahl des ganzen Berichts: Wer aufrüsten oder neu bauen will, zahlt für dieselben Komponenten mehr als noch vor einem Jahr — und offenbar entscheiden sich viele dafür, den Kauf lieber zu verschieben. Ein Marktsegment, das kaum von Blockbuster-Releases abhängt, reagiert damit direkt auf Bauteilpreise, auf die weder Publisher noch Handel Einfluss haben.
Services wachsen, Spiele halten die Linie
Die beiden anderen Segmente stützen den Markt. Online-Gaming-Services — also Abos und laufende Dienste — legten um drei Prozent auf 556 Millionen Euro zu, nach 542 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Verkauf von Spielen inklusive In-Game- und In-App-Käufen blieb mit 2,337 Milliarden Euro nahezu stabil und gab lediglich um ein Prozent nach. Anders gesagt: Gespielt und gekauft wird weiterhin, nur die Geräte darunter bleiben häufiger im Regal.
Kleine Teams, grosse Zahlen: Indie-Games im Fokus
Einen eigenen Schwerpunkt widmet der Verband unabhängigen Studios. Hochgerechnet 17 Millionen Menschen in Deutschland spielen demnach Titel unabhängiger Entwicklerteams, 82 Prozent finden bemerkenswert, was diese meist kleinen Teams mit moderner Technik umsetzen. Worauf die Befragten bei Indie-Spielen besonders achten:
- Kreative Spielkonzepte: 73 Prozent
- Geschichten und Storytelling: 68 Prozent
- Grafikstil: 65 Prozent
- Günstigerer Preis im Vergleich zu grossen Titeln: 64 Prozent
- Persönliche Handschrift der Entwicklerinnen und Entwickler: 59 Prozent
Das Messemotto und die Umfrage dahinter
Die Gamescom 2026 steht unter dem Motto «Games machen Lust auf Zukunft». Passend dazu veröffentlichte der Verband Ergebnisse einer YouGov-Befragung mit 2'105 Teilnehmenden: 60 Prozent sagen, Games trieben künftige Technologien voran, 65 Prozent erwarten, dass Spiele als Unterhaltungsmedium weiter an Bedeutung gewinnen. Bei den unter 25-Jährigen fühlen sich 62 Prozent durch Spiele motiviert, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen. Positive Effekte sehen die Befragten ausserdem beim Gemeinschaftsgefühl (85 Prozent), bei Toleranz (83 Prozent), Integration und Teilhabe (80 Prozent), demokratischem Denken (77 Prozent) und Umweltbewusstsein (75 Prozent). Einschränkend gilt: Die genaue Fragestellung ist nicht bekannt, die Werte sind also mit Vorsicht zu lesen.
Einordnung
Ein Detail relativiert den Jahresvergleich: Die beteiligten Dienstleister — Grundlage sind Erhebungen von YouGov Shopper und Sensor Tower — haben ihre Erfassungsmethoden bei Hardware sowie App- und In-App-Käufen überarbeitet und rückwirkend angepasst. Frühere Umsatzangaben haben sich dadurch verändert. Die Richtung der Entwicklung bleibt dennoch eindeutig: Ein wachsendes Service-Geschäft und ein stabiler Spielemarkt stehen einem Hardware-Segment gegenüber, das an Bauteilpreisen hängt. Ob sich das kurzfristig dreht, dürfte weniger von der Messe als von den Speicherpreisen abhängen. Die Gamescom selbst läuft vom 24. bis 30. August in Köln, eröffnet von der Entwicklerkonferenz gamescom dev am 24. August und der Opening Night Live am Abend des 25. August.
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WARUM DAS WICHTIG IST
Die Zahlen zeigen, wo das Geld in der Branche gerade hinfliesst — und wo es fehlt. Wenn Speicher und Festplatten so teuer werden, dass die Hardware-Umsätze um acht Prozent einbrechen, betrifft das jede Aufrüstung, jeden PC-Neubau und mittelfristig auch die Preisgestaltung kommender Konsolen.
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