Devolver Digital
Devolver Digital will nach Kurssturz von 95 Prozent von der Börse
Der Indie-Publisher plant den Rückzug von der Londoner Börse, nur fünf Jahre nach dem Börsengang

KURZFASSUNG
- Devolver Digital will sich von der Londoner Börse (AIM) zurückziehen und wieder privat werden.
- Der Aktienkurs ist seit dem Börsengang 2021 um 95,3 Prozent eingebrochen, von 950 Millionen auf 44,6 Millionen US-Dollar.
- Als Begründung nennt der Publisher anhaltende Volatilität in der Games-Branche, Entlassungen und Wertminderungen.
- Der Rückzug soll jährlich 1,6 Millionen US-Dollar einsparen, geplant ist zudem eine Kapitalrückführung von bis zu 5 Millionen US-Dollar an Aktionäre.
Devolver Digital, der Publisher hinter Titeln wie Hotline Miami, Talos Principle und zuletzt Baby Steps, hat angekündigt, sich von der Londoner Börse zurückziehen zu wollen. Grund ist ein dramatischer Kursverfall: Der Wert der Aktie ist seit dem Börsengang 2021 um 95,3 Prozent gefallen, wie Devolver in einer Mitteilung an Investoren am 6. August bestätigte.
Vom Börsengang zum Rückzug
2021 hatte Devolver sein Debüt am Alternative Investment Market der London Stock Exchange gegeben, damals mit einer Bewertung von 950 Millionen US-Dollar. CEO Douglas Morin begründete den Schritt seinerzeit mit dem Wunsch nach nachhaltigem Wachstum.
“Ein Börsengang ist für uns die richtige Wahl, um unser weiteres Wachstum sicherzustellen und noch mehr grossartige Spiele zu unterstützen.”
Heute liegt die Marktbewertung nur noch bei 44,6 Millionen US-Dollar. Über Nacht sackte der Kurs nach der Ankündigung weiter auf 7,15 Pence (rund 0,10 US-Dollar) ab.
Begründung: Volatiler Markt, verpasste Erwartungen
In der Mitteilung an die Aktionäre spricht Devolver von einer Phase erheblicher Umwälzungen und Unbeständigkeit in der globalen Games-Industrie. Der Publisher habe in den vergangenen Jahren mit mehreren operativen und marktbedingten Herausforderungen zu kämpfen gehabt.
- Verbreitete Entlassungen bei Studios und Publishern in der gesamten Branche
- Plattformbereinigung und mehrere Wertminderungen bei unterdurchschnittlich performenden Titeln
- Ein zunehmend wettbewerbsintensives und unvorhersehbares Marktumfeld
- Eine Bewertungslücke, die den langfristigen Umsatz von Spielen über ihre gesamte Lebensdauer nicht berücksichtige
Devolver rechnet damit, durch den Rückzug von der Börse jährlich 1,6 Millionen US-Dollar einzusparen. Vorgesehen ist ausserdem eine Kapitalrückführung von bis zu 5,0 Millionen US-Dollar an berechtigte Aktionäre und Inhaber von Depositary Interests im Rahmen eines Tender Offers, das noch der Zustimmung der Aktionäre bedarf.
Der Ursprung des kurzen Börsenabenteuers
Der Börsengang 2021 folgte auf den grossen Erfolg von Fall Guys, das Devolver Digital 2020 rund 150 Millionen US-Dollar einbrachte. Kurz darauf, im März 2021, wurde Entwicklerstudio Mediatonic von Epic Games übernommen. Dieser Geldsegen dürfte laut Kotaku mit zu der ungewöhnlichen Entscheidung geführt haben, ein vergleichsweise kleines Indie-Label wie Devolver überhaupt an die Börse zu bringen.
Auf Anfrage von Kotaku äusserte sich Devolver zur Motivation für den nun geplanten Rückzug.
“Der Zweck ist einfach und positiv. Privat zu sein, ermöglicht es dem Devolver-Digital-Team, insbesondere den Bereichen Finanzen, Recht und Geschäftsführung, sich ausschliesslich auf die langfristige Gesundheit des Unternehmens zu konzentrieren und weniger auf die Erfüllung der Anforderungen des öffentlichen Marktes, die nichts damit zu tun haben, ein erfolgreicher Spieleverlag zu sein.”
Der Fall Devolver reiht sich damit in eine Serie von Nachrichten ein, die auf finanzielle Instabilität in der Branche hindeuten. Ob der Rückzug von der Börse Devolvers Publishing-Pläne konkret verändert, etwa bei kommenden Titeln, liess der Publisher offen.
WARUM DAS WICHTIG IST
Devolver Digital gehört zu den bekanntesten Indie-Publishern und steht mit dem geplanten Börsenrückzug exemplarisch für die aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen der Games-Branche. Der Fall zeigt, wie schwer sich auch etablierte Publisher damit tun, öffentlichen Markterwartungen und den langfristigen Eigenheiten des Spielegeschäfts gleichzeitig gerecht zu werden.
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