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Alibaba verkauft sein Spielestudio — das Geld fliesst in KI

Mit dem Komplettverkauf von Lingxi Games steigt der chinesische Konzern ganz aus der eigenen Spieleentwicklung aus — Käufer ist die Beteiligungsgesellschaft Trustar Capital

Republic of Pixels Redaktion17. August 2026 · 17:48 Uhr3 Min. Lesezeit
Alibaba verkauft sein Spielestudio — das Geld fliesst in KI
Bild: Tom's Hardware

KURZFASSUNG

  • Alibaba verkauft seinen gesamten Anteil an Lingxi Games an die asiatische Beteiligungsgesellschaft Trustar Capital
  • Bloomberg beziffert den Wert des Studios auf mindestens 1,5 Milliarden Dollar, laut einer Reuters-Quelle könnten es über 2 Milliarden werden
  • Der Erlös soll Alibabas KI- und Cloud-Ausbau mitfinanzieren, der das ursprüngliche Budget von rund 53 Milliarden Dollar übersteigen wird
  • Studiochef Zhou Bingshu und sein Management bleiben unter dem neuen Eigentümer an Bord

Alibaba steigt aus der eigenen Spieleentwicklung aus. Der chinesische Konzern hat sich darauf verständigt, seine Games-Sparte Lingxi Games vollständig an die asiatische Beteiligungsgesellschaft Trustar Capital zu verkaufen. Bekannt wurde der Deal über eine interne Mitteilung an die Belegschaft, die Lingxi-CEO Zhou Bingshu am Montag verschickte — zuerst berichtete Bloomberg darüber, Reuters liegt das Memo ebenfalls vor. Es geht um Alibabas gesamten Anteil: Nach Abschluss der Transaktion entwickelt der Konzern keine Spiele mehr im eigenen Haus.

1,5 Mrd. $

Mindestbewertung von Lingxi Games laut Bloomberg

2 Mrd. $

möglicher Erlös für Alibaba laut einer Reuters-Quelle

53 Mrd. $

ursprüngliches Dreijahresbudget für Cloud und KI

Ein Studio, ein grosser Name — und ein neuer Eigentümer

Lingxi Games sitzt in Guangzhou und ist vor allem für «Three Kingdoms: Strategy Edition» bekannt, einen mobilen Mehrspieler-Strategietitel, der gemeinsam mit dem japanischen Traditionshaus Koei Tecmo entstanden ist. Käufer Trustar Capital firmierte früher unter dem Namen CITIC Capital und ist ein auf Asien fokussierter Private-Equity-Investor. Zhou beschreibt ihn in seiner Mitteilung als Partner mit den nötigen Branchenressourcen für die nächste Phase des Studios. Er selbst und sein Führungsteam sollen Lingxi auch unter dem neuen Eigentümer weiterführen.

Alibaba übergibt Lingxi an Trustar, um sich besser auf seine strategischen Prioritäten zu konzentrieren.
Zhou Bingshu, CEO von Lingxi Games, in der internen Mitteilung

Viele Details bleiben offen. Das Memo nennt weder einen Kaufpreis noch ein erwartetes Abschlussdatum oder regulatorische Bedingungen. Auf Anfragen reagierte keines der drei beteiligten Unternehmen. Zu den kursierenden Zahlen gibt es daher zwei Lesarten: Bloomberg setzt den Wert des Studios bei mindestens 1,5 Milliarden Dollar an, eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte Reuters hingegen, Alibaba werde mehr als 2 Milliarden Dollar einnehmen.

Wofür Alibaba das Geld braucht

Der Verkauf ist kein isolierter Vorgang, sondern Teil einer Umschichtung: Im Februar des Vorjahres hatte Alibaba mindestens 380 Milliarden Yuan — damals rund 53 Milliarden Dollar — für Cloud- und KI-Infrastruktur über drei Jahre zugesagt. Nach Angaben des Konzerns ist das mehr, als in der gesamten Dekade zuvor zusammen in KI und Cloud floss. CEO Eddie Wu erklärte im Mai gegenüber Analysten, angesichts der Kosten für den Rechenzentrumsausbau werde man diese Summe überschreiten. Das Ziel: 100 Milliarden Dollar KI-Umsatz innerhalb von fünf Jahren.

Nicht der erste Verkauf aus dem Portfolio

Alibaba finanziert diesen Ausbau seit geraumer Zeit auch über Beteiligungsverkäufe. Ende 2024 trennte sich der Konzern von seinen Anteilen an der Hypermarkt-Kette Sun Art und am Kaufhausbetreiber Intime — zusammen rund 2,6 Milliarden Dollar. Im Januar wurde zudem berichtet, dass Alibaba einen Börsengang seiner Chipdesign-Sparte T-Head vorbereitet, ein weiterer Kapitalkanal für dasselbe Programm. T-Head entwickelt den PPU-Beschleuniger, den das chinesische Staatsfernsehen im September mit Nvidias H20 verglich, und ist zentral für den Plan, mehr Cloud-Last auf heimischer Hardware laufen zu lassen.

  • Sun Art und Intime: gemeinsam rund 2,6 Milliarden Dollar Erlös Ende 2024
  • T-Head: Börsengang der Chipdesign-Sparte laut Berichten in Vorbereitung
  • Lingxi Games: kompletter Ausstieg aus der eigenen Spieleentwicklung

Dass Lingxi zum Verkauf stand, ist offenbar keine kurzfristige Entscheidung. Zwei ungenannte Quellen zufolge suchte Alibaba schon länger nach einem Käufer. Eine Finanzierungsrunde, die das Studio Ende 2023 ausgelotet hatte, kam ins Stocken, nachdem Peking strengere Regeln für den Online-Games-Sektor vorgeschlagen hatte.

Einordnung

Für Spielerinnen und Spieler ändert sich kurzfristig wenig: Das Management bleibt, «Three Kingdoms: Strategy Edition» wechselt lediglich den Eigentümer. Mittelfristig ist der Unterschied trotzdem spürbar, denn ein Finanzinvestor rechnet anders als ein Konzern, der ein Studio als Baustein eines grösseren Ökosystems hält. Und es bleibt die Signalwirkung: Alibabas Verbrauchergeschäft besteht künftig aus E-Commerce und dem Chatbot Qwen — dessen eigene Teamführung die Chancen chinesischer Firmen, OpenAI und Anthropic zu überholen, Anfang des Jahres auf unter 20 Prozent bezifferte. Spiele finanzieren hier die KI, nicht umgekehrt.

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WARUM DAS WICHTIG IST

Ein Tech-Riese zieht sich vollständig aus der eigenen Spieleentwicklung zurück, um Rechenzentren zu bauen — das zeigt, wie stark der KI-Boom inzwischen Budgets aus der Games-Branche abzieht. Für Fans von «Three Kingdoms: Strategy Edition» hängt die Zukunft des Titels ab sofort an einem Finanzinvestor statt an einem Konzern mit eigenem Ökosystem.

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