Call of Duty
Activision klopft an die Haustür - und filmt den Cheat-Verkäufer
Ein Anwaltsbesuch in Ohio, ein einminütiges Video auf X und eine Bilanz mit 375 zerschlagenen Reseller-Operationen

- Activision liess einem bekannten Cheat-Anbieter namens Elocarry in Ohio eine Unterlassungsaufforderung persönlich übergeben und veröffentlichte ein Video davon auf X.
- Nach eigenen Angaben hat der Publisher über 375 Reseller-Operationen gestört, mehr als 80 Unterlassungsaufforderungen zugestellt und über 30 Anbieter abgeschaltet.
- Auf der Website von Elocarry sind aktuell keine Cheats für Call of Duty oder Warzone mehr verfügbar - Angebote für andere Spiele bleiben online.
- Modern Warfare 4 erscheint im Oktober, die zweite Beta-Woche steht bevor.
Activision hat seinen Kampf gegen Call-of-Duty-Cheats am 28. August 2026 auf eine neue Stufe gehoben: Der Publisher schickte einen juristischen Vertreter zum Wohnhaus des bekannten Cheat-Anbieters Elocarry nach Ohio, liess dort eine Unterlassungsaufforderung übergeben - und veröffentlichte die Szene anschliessend als Video auf dem offiziellen Call-of-Duty-Konto bei X. Der Besuch fand laut Activision am Wochenende der geschlossenen Beta zu Modern Warfare 4 statt.
EXTERNER INHALT VON X
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375+
gestörte Cheat-Reseller-Operationen nach Angaben von Activision
80+
zugestellte Unterlassungsaufforderungen
30+
vollständig abgeschaltete Anbieter
Eine Minute Video, wenig Drama - und genau das ist der Punkt
Der Clip dauert rund eine Minute und ist erstaunlich unspektakulär: Der Vertreter erscheint an der Tür, erklärt den Grund seines Besuchs, übergibt die Papiere, Elocarry nimmt sie entgegen, der Vertreter geht wieder. Kein Streit, keine Eskalation. Die Botschaft steckt nicht im Inhalt der Aufnahme, sondern in ihrer Existenz. Activision demonstriert damit, dass es bereit ist, Cheat-Verkäufer öffentlich und mit Namen zu adressieren - inklusive einer Aktion, die im Netz viral gehen dürfte.
Die Bilanz: mehr als 375 gestörte Operationen
Parallel zum Video legte der Publisher Zahlen zu seiner laufenden Kampagne offen. Sie sollen belegen, dass hinter den Social-Media-Posts eine systematische juristische Arbeit steckt, die seit Jahren läuft und bereits mehrere Klagen gegen Cheat-Hersteller umfasst hat.
In unserem laufenden Kampf gegen Cheat-Entwickler und -Verkäufer haben wir mehr als 375 Cheat-Reseller-Operationen gestört, mehr als 80 Unterlassungsaufforderungen zugestellt und mehr als 30 Anbieter abgeschaltet. Und es kommt noch mehr, einschliesslich Gerichtsverfahren, wenn nötig. Wir sind bereit, Cheat-Entwickler und -Verkäufer vor Gericht zu bringen, um faires Spiel zu schützen.
Deutlich martialischer fiel ein zweiter Post aus, in dem es schlicht hiess: «Baut Cheats. Verkauft Cheats. Wir werden euch finden.» Ziel sei es, nicht nur die Nutzung, sondern die Herstellung und den Vertrieb zu erschweren und damit das Ökosystem zu treffen, das mit Cheats Geld verdient.
Was aus Elocarry wurde
Die Reaktion liess offenbar nicht lange auf sich warten. Activision teilte einen Screenshot aus dem Discord von Elocarry, laut dem die Verfügbarkeit der Cheats für Call of Duty pausiert wurde, während der Betreiber die Angelegenheit intern prüfe. Ein Blick auf die Website bestätigt das Bild: Cheats für die Hauptspiele der Reihe und für Warzone sind dort derzeit schlicht nicht mehr zu finden.
- Call of Duty und Warzone: aktuell keine Cheats mehr im Angebot
- Rust, Apex Legends, Marvel Rivals und weitere Titel: Angebote bleiben online
- Verkauft wurden unter anderem Aimbots und ESP-Funktionen, die als nicht erkennbar beworben werden
Der Rückzug betrifft also gezielt jene Produkte, auf die sich die juristische Drohung bezieht - ein Muster, das für die Wirksamkeit solcher Schreiben spricht, aber auch zeigt, wie begrenzt ihr Radius ist.
Beta-Bilanz und der Blick auf den Oktober
Zum selben Zeitpunkt veröffentlichte Activision Kennzahlen aus dem Early-Access-Beta-Wochenende von Modern Warfare 4. Über Millionen gespielter Matches hinweg seien die Erkennungsraten niedriger gewesen, Hardware-Banns schwerer zu umgehen und die Reaktionszeit bis zum Eingreifen verbessert. Während des Wochenendes seien zusätzlich neue Erkennungsmethoden ausgerollt worden. Für die zweite Beta-Woche kündigte der Publisher an, erneut proaktiv gegen Cheater vorzugehen, und stellte vor dem Release im Oktober weitere Informationen in Aussicht.
Einordnung
Activisions Auseinandersetzung mit Cheat-Herstellern läuft seit Jahren und war bisher vor allem ein Katz-und-Maus-Spiel: Ein Anbieter verschwindet, der nächste taucht auf, während die Werkzeuge auf beiden Seiten raffinierter werden. Neben Klagen setzt der Publisher auch auf Massnahmen im Spiel selbst, die Cheatern die Partie unspielbar machen sollen. Neu ist die Inszenierung - und deren Timing wenige Wochen vor dem Start von Modern Warfare 4. Ob ein gefilmter Anwaltsbesuch tatsächlich abschreckt oder vor allem als Vertrauenswerbung für ein Verkaufsprodukt funktioniert, wird sich erst nach dem Launch zeigen.
Cheater entscheiden in Shootern über ganze Matches - und niemand investiert gern Zeit in eine Lobby, in der ein Aimbot mitspielt. Activision zeigt erstmals öffentlich, dass es nicht nur Accounts sperrt, sondern die Verkäufer hinter den Cheats persönlich aufsucht. Für Spielerinnen und Spieler ist das ein Signal, wie ernst der Publisher den Start von Modern Warfare 4 nimmt - und wie viel davon Wirkung und wie viel Inszenierung ist.
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